Es gibt sie, diese Tage, an denen selbst ich mir wünsche, ein Mann zu sein. Die sind selten und gehen in der Regel mit der Regel einher. Ich weiß, dieses Schicksal teilen viele – während andere mal so gar nichts davon mitbekommen. Gestern Abend hätte ich göbeln können. Mit aufgeheiztem Körnerkissen bei einer Außentemperatur von dann noch 24 Grad verkrümel ich mich ins Bett. Der Schlaf stellt sich auch irgendwann ein, bis eine rücksichtslose Terrormücke mich um 1:41 Uhr heimsuchen will. Ich mache Licht an und geh auf die Jagd, öffne die Tür zum Flur. Zwar erlege ich nichts, aber trotzdem habe ich danach Ruhe und am Morgen keine Stiche. Durch die verkrampfte Haltung tut mir allerdings der gesamte Körper weh, weshalb ich nun erst einmal die Massage aufsuche. Diesen Monat werden mir definitiv wieder Überstunden gestrichen werden müssen, weshalb ich mir fest vornehme, den heutigen freien Tag zu genießen. Vielleicht sollte ich das der Masseurin im Vorfeld so mitteilen, bevor sie mich völlig auseinandernimmt und kichert, wenn ich schmerzbedingt aufstöhne.

Was ich noch nie hatte: Ich betrete den Laden und fülle das Formular aus, das mittlerweile überall ausliegt. Die thailändische Masseurin verweist mich nach Schuhentledigung auf einen Platz auf dem Sofa – mit freier Sicht auf den dort auf einer Liege hockenden Oppa mit weißer Haarpracht und wie Gott ihn schuf. Nee, ist nicht der Ömmes von gegenüber. Und ja, er hat noch ein Laken um die Hüfte gelegt. Trotzdem. Wenn die bei mir nachher den Vorhang nicht schließt, laufe ich Amok. Aber ich werde kurzerhand ins letzte Zimmer verfrachtet, das – wie ich weiß – nicht mal über einen Vorhang verfügt. Gottseidank ist es weit genug vom Eingangsbereich entfernt. Die Masseurin fragt nach, wie hart es denn sein sollte und ich bitte darum, es heute eher sanfter zu gestalten. Ich weiß nicht, was sie daran nicht versteht, aber wenn das sanft sein soll, müssen bei hart manche Kunden unter ihren Händen wegsterben. Nach knapp 60 Minuten Quälerei, möchte ich an der Kasse zahlen. Die Besitzerin ist ein kleiner Diktator. Sympathisch ist sie nicht, aber ich will sie ja auch nicht heiraten. Sie mault rum, dass die Kunden zu blöd wären, per What’s App nach einem Termin zu fragen. Stattdessen rufen sie kackfrech gleich mehrfach an. Unverschämtheit, wenn man so penetrante Kunden hat, oder? Ich weiß nur nicht, warum sie ausgerechnet vor mir so futert. Ich hatte per What’s App den Termin vereinbart. Daher zahle ich brav mit Karte. Dann hält sie mir ihr Tablet hin, um meine Handynummer zu bestätigen. Ich sage ihr noch, ich benötige keine Quittung per SMS, als sie schon wieder meckert. Warum? Warum stellen sich die Kunden so dumm an? Das System würde danach fragen. Einfach drücken! Mir geht es zu schlecht, sonst würde ich ihr echt mal den Kalk aus den Augen pusten. Ich weiß von Kunden, die hier aufgrund ihrer Unfreundlichkeit nicht mehr hingehen. Wen wundert’s?

Ich schleppe mich heim. Es geht mir echt nicht gut. So mies ging es mir lange nicht mehr. Es ist zwar ein freier Tag, den ich genießen wollte, aber letztlich verbringe ich ihn in großen Teilen nur im Bett. Mein Schädel dröhnt. Hoffentlich bin ich morgen, allerspätestens aber am Wochenende wieder fit. Da hab ich ganztägig Fortbildung und kann mir ein Bett schlecht mitnehmen. Ich hoffe, Ihr seid gesund und fühlt Euch gut?!

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