Es beginnt recht englisch – mit Nebel. Aaaaah, diese Jahreszeit ist immer wieder der Hammer. Ich mag diese neblige Atmosphäre, die so an den „Hund von Baskerville“ erinnert. Schaurig schön…jo. Auf so was stehe ich ja voll. So sieht´s auch heute Morgen aus, als es dann mal allmählich hell wird. Da ich heute wieder arbeite (im Home Office), stehe ich brav bereits im Dunkeln auf. Mit Blick Richtung Fenster kann ich dann das wabernde Spektakel verfolgen. Mit und mit lichtet sich der Nebel, und Sonnenstrahlen zaubern sich durch die Herbstfarben der Blätter. Ach, am Ende werde ich hier noch poetisch!

Ich hatte es doch dieser Tage von Manipulation. Und ja, ich muss einräumen, dass ich das nicht immer nur zum Zweck anderer einsetze, sondern doch auch mal eigene Themen vorantreibe. Allerdings ist es nichts Schlimmes, was ich da tu´. Sagen sie alle, ich weiß. Mein Chef ist ja jemand, der zwar nett sein mag, aber den Horizont eines trockenen Brötchens leider nicht übersteigt. Da muss ich dann schon mal steuernd eingreifen, weil sonst gar nichts zustandekommt. Und so kommt es dann, dass ich ihm heute Morgen eine Lösung präsentiere. Ich frage nicht: „Können wir nicht dieses Jahr schon die Fortbildung machen?“, sondern präsentiere ihm die Lösung. Entweder, wir machen die Schulung in diesem Jahr zum vollen Preis oder wir machen sie um zehn Prozent vergünstigt, wenn er das bis zum 12.10. regelt. Die Schulung dauert zwei Tage, wovon einer davon auf einen Freitag fällt. Großzügig biete ich ihm an, dass wir den Tag „Freizeit“ opfern, ohne die Stunden dafür aufzuschreiben (da ja freitags Kurzarbeit angesagt ist). Er kann also zwischen a und b wählen, was ihm richtig gut gefällt. Na, wenn er das so vorbereitet braucht, dann bekommt er das doch gerne von mir. Hauptsache, wir gehen die Schulung noch dieses Jahr an, da im nächsten Jahr alle Gelder gestrichen sind. So haben wir am Ende alle was davon und verpassen die Chance nicht, weil keiner aus dem Pudding gekommen ist. Irgendwie frage ich mich, wieso so vielen nur ein bisschen Weitsicht und strategisches Denken fehlt? Dabei habe ich so gar keinen BWLer-Hintergrund.

Zum Glück bin ich immer noch gut gelaunt, wobei ich mir manche Spitzen auch nicht verkneifen kann. Wir haben eine unsägliche Fortbildung von einem externen Trainer erhalten. Eine neue Methode soll eingeführt werden, die sie leider per Brechstange durchpeitschen. Nun sollten wir umfassend dafür qualifiziert werden. Der Trainer war leider eine Nullnummer – wenn er auch dafür 150.000 € (!!!!!!!! ALTER!!!!!) kassiert hat. Wie sagte letztens mein Coachee zu mir: „Bei Fragen will ich mich gar nicht an den wenden. Du hast mehr Ahnung von der Methode als der.“ Ääääh…klingt unlogisch, ist es wahrscheinlich auch, aber stimmt traurigerweise sogar. Diese „Qualifizierung“ – so man dieses Unsägliche so nennen möchte – hat im März stattgefunden. Für unseren internen Bildungslebenslauf müssen wir alle Zusatzqualis in unserer Akte ablegen lassen. Also frage ich nach dem entsprechenden Zertifikat. Oooooh, das hören alle – einschließlich Trainer – zum allerersten Mal, was mich immer wieder amüsiert. Glauben die echt, wir sind alle so dämlich? Irgendwann (ich frage noch zwei weitere Male nach), heißt es, wir würden in die „Hall of Fame“ der erfolgreichen Coaches aufgenommen werden, wenn unsere Coachees erfolgreich ihr Ziel erreichen. Äääääh….nee, nee. Diese „Hall of Fame“ für absolute Schwachmaten kann sich der gute Herr dorthin schieben, wo normalerweise keine Sonne hinscheint. Er hat uns seine komische Theorie vermittelt, daher gibt es für so was auch einen Nachweis. Mittlerweile habe ich noch ein paar Mal nachgefragt. Der koordinierende Kollege, der so viel Struktur hat wie Schlamm in der tiefsten Pfütze, sagt dann jedes Mal: „Ah ja, ich nehme das Thema noch mal mit.“ Wenn ich Politiker-Antworten hören möchte, fahre ich zu einer entsprechenden Veranstaltung. „Ich nehme das mal mit“….pff, den Satz kann ich ja leiden!
Nun sind einige Wochen vergangen, in denen ich an dem Austausch der Coaches (auch ohne jegliche Struktur) nicht teilnehmen konnte. Also frage ich zu Beginn freundlich: „Ist es nur an mir vorbeigezogen oder gibt es in der Tat immer noch keine Zertifikate?“ Der Chaot seufzt und sagt: „Ich nehm´ das noch mal mit. Aber ich habe schon mal nachgefragt.“ Ui, da sind wir aber dankbar, dass er die Mindestanforderungen seines Jobs in Teilen erfüllt. Ob er ein Einhorn-Glitzerbild erwartet? Ich lasse nicht locker: „Mmmmh, woran scheitert es denn? Hat der gute Mann kein Papier? Ich stelle da gerne einen kleinen Stapel zur Verfügung – gerne auch in bunt, wenn ihm das lieber ist. Dann dürfte es doch keine Schwierigkeiten mehr bereiten, oder?“ Ich verstehe das nicht.
Als dann später noch mal die Sprache auf die Coach-Rolle kommt, ist der Koordinator völlig perplex: „Wie, die Rollen sind nicht klar?“ Wohlgemerkt: Wir sind bereits seit Monaten im Coaching-Prozess zugange. Und dieses Dilemma hatten wir schon weit im Voraus angesprochen. Er weiß es…oder hat es zumindest schon gehört. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie häufig er kifft und wie sehr sich das auf sein Kurzzeitgedächtnis ausgewirkt hat. Im ganzen Prozess hakt es.
Ich stelle noch eine böse Frage: „Ääääh, hat denn die Ansprache des Centerleiters zu der neuen Methode mittlerweile stattgefunden?“ Nein, aber das liegt an Corona. Aaaah ja. Die Idee wurde erst geboren, als es Corona schon gab. Derzeit läuft alles über Skype. Wieso nicht auch das?
Sie kommen einfach bei nichts zu Potte, schießen alle anderen Kollegen an, suchen Schuldige und übernehmen an keiner Stelle Verantwortung. Da bin ich dann ja gerne der kleine Zankapfel, der mit dem Zaunpfahl winkt. Und mit diesem Mist dürfen wir uns Woche für Woche beschäftigen. Ich glaube, der Knilch hier freut sich, dass ich so oft nicht dabei bin. Bei anderen, die Fragen stellen, die ihm nicht passen, rennt er zu seinem Chef und beschwert sich, der das dann an seine Untergebenen weitergibt, weshalb alle schweigen. Ich gehöre zu einem anderen Center. Na gut, und ich würde auch so nicht meine Klappe halten können. Normal ist das doch wohl auch nicht, oder?

Morgen habe ich dann die Aussicht auf den Kackophanten, was mich diese Nacht vermutlich vor lauter Aufregung nicht schlafen lassen wird. Ich weiß nicht, ob ich die volle Zeit anwesend bleiben werde oder mich einfach ausklinke, wenn es mir zu bunt (oder braun…schließlich ist er ja ein Kackophant) wird. Abends fahre ich dann zu Bekannten, wo wir zu fünft spielen. Das ist die Obergrenze, woran wir uns auch brav halten. Und dann ist auch schon Wochenende…huiiiiii. Mein Blick wandert nach links, wo sich drei dicke Wälzer tümmeln. Noch weiter links sehe ich mein Bücherregal, wo noch mehr Fachliteratur steht. Oh man. Und die Anschreiben haben sich auch – komischerweise – noch nicht von allein geschrieben. Sachen gibt´s! Es gibt also viel zu tun…aber das Jahr hat auch noch einige Tage, gell, Scarlett? Genau, verschieben wir´s einfach auf morgen. Für heute genieße ich noch ein bisschen die Aussicht vom Balkon.

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