Bah, ist das morgens fies, aufzustehen. Das hat nichts mit der Zeitumstellung zu tun, sondern mit einer Woche rumgammeln. Da musste ich nie so früh auf. Naja, es hilft ja nix. Also schwinge ich mich raus, packe den Kuchen und mich ein, bevor ich dann losdüse. Gut, es gibt sie immer: Die Schnarchzapfen, die in der 70er-Zone mit 50 rumpimmeln….oder in der 50er-Zone mit 30. Nur kann ich sie ja nicht alle töten. An sich ist es aber überraschend frei auf der Bahn, weshalb ich locker durchkomme.

Leider weiß ich bereits, dass mein Wachmann-Schätzchen diese Woche frei hat. Das ist echt schade, weil ich ihn so gerne mag. Aber mein Ruf hat sich wohl schon rumgesprochen. Zwei von den drei anderen Wärtern blödeln mit mir rum. Gut, das kann auch an der Kuchenform liegen, die ich dabei habe und die begehrliche Blicke erntet. Sie rufen dann auch zur Firma durch, dass mich jemand „ohne Kuchen“ abholen kommen sollte. Hä? Tja, was einmal bei ihnen gelandet sei, käme nicht mehr weg. Ah ja. Ich aber verteidige meine Kuchen unter Einsatz meines Lebens. Der Wärter, der mich abholen kommt, stellt es noch cleverer an. „I müsst´ des scho probiern. Kannt jo wos drinn sei.“ Ah, dazu reicht doch einfaches Durchschneiden. Aber nein, ich könnte ja auch Drogen beigemischt haben. Und die würde er nur beim Probieren rausschmecken. Süß, oder? Aber auch da bleibe ich standhaft und rette die beiden Kuchen bis zum Büro der Kollegen. Die sind natürlich happy und schleichen um die Kuchen herum, wie die Grinsekatze von Alice im Wunderland. Also, sie freuen sich, aber…ääääh, ob sie was vergessen hätten? Nein, ich habe erst Silvester Geburtstag. Und dann wird gemampft, während wir in einem Besprechungsraum sind und brainstormen.
Als ich gehe, ist noch Kuchen übrig. Ich frage, ob sie den für morgen wegpacken wollten? Kaum ist es ausgesprochen, hat der Kuchen sich auch schon auf einem großen Teller wiedergefunden. So macht es doch erst Spaß: Wenn da Leute sind, die so was auch mögen. Leider habe ich nun verspielt, einfach nur noch so vorbeikommen zu können. Jetzt müsste ich immer was Gebackenes mitbringen. Kleiner Finger und ganzer Arm…ich sag´s Euch.

Unser Brainstorming verläuft ergiebig. Es macht einfach mehr Spaß, wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, die auch die Kultur verändern wollen und wertschätzend miteinander umgehen. Ach, so könnte ich täglich arbeiten, ohne Frust zu schieben. Doch auch dort ist nicht alles rosig und tuffig. Wenn der oberste Boss nicht aufpasst, geht der gute Zusammenhalt vollkommen baden. Und das ist sooo schade. Es ist diese alte Riege, die sich selbst ein Denkmal setzen will, vollkommen beratungsresistent ist und dabei noch glaubt, hervorragend zu „wirken“. Und sie wollen partout ihren Stuhl nicht für die nächste Generation freimachen, weil „die Jungen ja nur noch Work-Life-Balance im Kopf haben. Dann kann man die Firma nicht mehr retten.“ Wahnsinn. Ich frage mich ja immer, wie so ein Gottkomplex zustandekommt? Ich weiß, dass ich gute Arbeit leiste. Ich weiß aber auch, dass die Welt nicht untergeht, wenn ich nicht mehr da bin. Und ich bin auch so selbstkritisch zu sagen, dass es Menschen mit meiner Tätigkeit in Zeiten von Kurzarbeit nicht wirklich braucht. Wäre das mein Laden, würden einige von uns zu 100 % Zuhause sitzen bei Kurzarbeitsbezügen, um so langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Aber da jeder von den Gockeln der Wichtigste ist, ist auch seine Abteilung/sein Team unabdingbar für das große Ganze. Und so fahren diese Leute manches an die Wand, und niemand unternimmt was. Spannend.

„Meine“ Inhaftierten sind auch wieder zu süß. Sie winken mir zu, plaudern kurz mit mir. Es ist einfach ein schönes Gefühl, hier zu sein. Mit einem mache ich wieder einen Scherz, bevor mich eine Kollegin warnen kann. Er lacht, ich auch, alles gut. Im Besprechungsraum schaut sie mich mit großen Augen an und fragt: „Wie hast Du das gemacht? Ich kenne den seit Jahren, und der grantelt immer. Vor dem haben alle irgendwie Angst.“ Uuups, das habe ich nicht gewusst. Mit dem habe ich schon öfter rumgealbert. Ich mach´ das einfach und frage nicht nach.
Später betrete ich erstmalig das Sicherheitshaus. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Es ist quasi ein Gefängnis im Gefängnis, wo nur Inhaftierte untergebracht sind, die zu aggressiv und gefährlich für den „normalen“ Haftvollzug sind. Krass. Wir reden ja hier ohnehin von schweren Jungs. Irgendwie schwer vorstellbar – zumindest für mich. Und hier werde ich auch niemals schulen. Was lässt Menschen so werden? Mich interessiert so etwas ja schon brennend.

Zuhause bin ich dann nach meinem Elf-Stunden-Tag reichlich platt, aber sichtlich zufrieden. Morgen fahre ich dann wieder rein in die Firma, aber Donnerstag arbeite ich dann wieder von Zuhause. So, wie es derzeit aussieht, arbeite ich vermutlich die komplette nächste Woche von Zuhaus aus. Puh, keine tollen Aussichten, oder? Aber da müssen wir jetzt wohl alle durch…sonst wird es nachher noch krasser.
In diesem Sinne: Ich wünsche Euch bunte Träume – mit oder ohne Kuchen.

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