Die Sonne strahlt vom Firmament,
ich habe heute ausgepennt.
Das stört et Sönnsche herzlich nicht,
denn munter scheint´s mir ins Gesicht,
wo ich dabei zu lernen hocke
und munter Psychokram abrocke.

Noch´n Gedicht? Nee. Das lassen wir mal schön. Doch es ist in der Tat so: Ich sitze brav am Esstisch und habe mal fleißig alle Mitschriften abgetippt, die ich so gemacht habe. Dazu habe ich ein paar Erklärvideos geschaut und fühle mich…ääääh…ein bisschen schlauer. Noch weit entfernt von „fit für die Prüfung“, aber bis dahin ist ja auch noch etwas Zeit, gell? Und doch, denke ich gerade, sollte ich das Wetter ausnutzen. Vermutlich mache ich mir die Knöppe auf die Ohren und drehe ein kleines Ründchen. Den Kleinen kann ich nämlich gerade nicht motivieren, mit mir spazieren zu gehen. Allein ist das zwar so gar nicht mein Fall, aber wenn die Sonne so lacht und mein steifer Körper gleichzeitig so mault, würde es doch passen, ein bisschen an die frische Luft zu gehen, gell? Dann mach´ ich das doch jetzt einfach mal.

Eine ganze Sauerstoffvergiftung später, mache ich mich wieder an die Arbeit. Aber erstmal muss ich alles verdauen, was mir so auf dem Weg widerfahren ist. Ich treffe eine alte Dame, die ich bis dato nicht kannte. Und diese Dame ist wohl sehr allein, denn sie erzählt mir die ganze Ochsentour ihres Lebens. Ihr Mann sei seit zwei Jahren verstorben. Jetzt sei sie aber ganz schön einsam. Manchmal würde sie kochen, aber hätte dann gar keine Lust, ihr Essen auch zu essen. Ihre Schwester habe wiederum ihren Mann im Februar verloren. Jetzt würde diese wieder ins Rheinland ziehen. Die letzten 40 Jahre war diese in München wohnhaft. Und wohin nun mit dem Flügel? Ja, der müsste – aufgrund von Corona – weit unter Wert verkauft werden. Und so ein Umzug koste ja ohnehin schon so viel. „Wissense, wie viel? Sechseinhalb tausend Euro. Könnense sich datt vorstellen?“ Kann ich. Die Wohnung sei natürlich kleiner als das Haus, klar. Da müsse ihre Schwester echt einige Möbel verkaufen. „Aber da kriegste ja auch nich mehr viel für.“ Donnerknispel aber auch! „Warum zieht Ihre Schwester denn nicht einfach zu Ihnen?“, traue ich mich zu fragen. Da reißt die Gute die Augen aber auf: „Nä! Datt will ich nich. Nä! Auf keinen Fall! Datt willse aber selbst auch nich.“ Komisch…da sind die Leute einsam, aber mit anderen wollen sie dann auch nicht zusammenleben. Man kann ja eigene Bereiche haben, nur dass man zusammen die Küche nutzt, beispielsweise. Aber nee, nee, das geht so gar nicht. Dann schon lieber fremde Leute vollquatschen. Trotzdem tut sie mir schon auch leid, denn sie sieht ja keine wirklichen Lösungen für sich.
Dann treffe ich noch zwei Leute von der Verwandtschaftsseite meines Schwagers. Mit denen klöne ich auch noch ein Ründchen. Zum Glück sind das Menschen, die auch nicht Corona leugnen und sich eben nicht so treffen wollen. Wir stehen am jeweils gegenüberliegenden Ende der Straßenbreite. Ach, tut auch mal gut, mit Menschen zu reden, denen man nicht erklären muss, wie man Abstand hält.
Zurück Zuhause, bereiten der Kleine und ich das Essen vor, was wir dann gemeinsam in Nullkommanix vernichten. Krass…viel Arbeit, die dann immer superschnell eliminiert wird. Das ist immer wieder ein Kracher für mich. Die süße Maus meines großen Neffen kommt vorbei, die heute eine Mathe-Klausur geschrieben hat. Wenn ich mit etwas Mitleid habe, dann mit so was. Mathe ist mein persönliches Trauma. Kopfrechnen geht durchaus, aber dann hört´s auch schon fast auf. Naja, Prozentrechnung auch. Aber dann ist echt gut. Ich frage nach, wie es gelaufen sei, woraufhin ein: „Erstaunlich gut“ zur Antwort kommt. Furztrocken kommentiert der Kleine: „Das habe ich damals auch gedacht, als ich dann die sechs zurückbekommen habe.“ Millisekunde, aber dann ist das echt der Brüller! Ich bin mir sicher, dass die Kleine das gut einschätzen kann. Aber der Kommentar? Unbezahlbar. Ich weiß noch, dass ich mir immer sicher war, dass meine Mathe-Klausuren mies gelaufen sind, was sich auch nahezu immer bestätigt hat. Aber bei der Kleinen bin ich guter Dinge, dass es gut gelaufen ist.

Heute Abend ist dann wieder Schule. Und es geht um Neurosen und Belastungsstörungen. Passend dazu, erfahre ich, dass ich voraussichtlich nicht im März geprüft werden kann, weil sie die Kapazitäten bei den Ämtern gar nicht hätten. Das würde bedeuten, ich würde erst im Oktober geprüft. Oh man, darauf habe ich ja Bock. In Stein gemeißelt ist noch nichts, aber so sind wohl die inoffiziellen Rückmeldungen vom Amt. Ich stecke mitten in der Prüfungsvorbereitung, doch das scheint niemanden zu stören. Ja, ich weiß, ich sollte ohnehin alles so ordentlich lernen, dass ich es nie vergessen werde. Aber etliche Dinge braucht man trotzdem nach der Prüfung nicht mehr. Macht doch nichts. Da quäle ich mich einfach noch ein bisschen länger mit dem Rotz rum. So schön die Sonne heute auch geschienen hat…heute Abend ist sie in zweifacher Hinsicht untergegangen – einmal buchstäblich und einmal ideell gesehen. Naja…wird schon. Ich geh´ jetzt Kekse mampfen. Die sehen immer noch nicht schön aus, aber mpfmeckn pfuut.

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