Heute Morgen habe ich richtig Bock und freue mich auf den Tag. Es macht einfach Spaß, wenn es Spaß macht. Klingt komisch, is abba so. Natürlich checke ich früh morgens meine Mails, erledige Anrufe und Schnickischnacki, aber dann darf ich mich auch schon einwählen. Und ja, ich wähle bewusst das Wörtchen „darf“. Bei manchen Schulungen, Workshops oder ähnlichem, ist es durchaus bereichernd, daran teilnehmen zu dürfen. Das meine ich nicht nur in puncto „Konsum von Dialekten“, weil ich diese ja so liebe. Nö, es gibt einfach Themen, die sauspannend sind. Und Change Management gehört für mich eindeutig dazu.

Nachteile an den Online-Veranstaltungen sind ja aus meiner Sicht die hohe Ermüdbarkeit, fehlende Interaktion, reduziert zu sein auf bisweilen nur Ton und manches mehr. Ja, es wird immer auch ein Bild angezeigt, aber da sieht man häufig eine laufende Präsentation. In der Zeit nehme ich nicht den Referenten wahr, was mir schon auch immer sehr wichtig ist. Ich erlebe gerne, wie Leute etwas vortragen. Wenn man sich anschaut, was gute Schulungen ausmacht, ist die vermittelte Theorie häufig nur ein kleiner Prozentsatz. Es lebt vom Drumherum, aber vor allem auch an der Präsenz des Trainers. Ist er mir sympathisch, wird die Veranstaltung für mich eher ein Erfolg, als wenn ich denke: „Man, watt für´n Dööspaddel.“ Corona zeigt, dass wir manchmal nicht das bekommen, was wir wollen und trotzdem weitermachen müssen.
So zurückgeworfen auf das rein Auditive, denke ich darüber nach, was mich an dem einen Trainer so stört? Gestern auch schon. Inhaltlich ist er gut. Ich sehe ihn so gut wie nie, sondern starre nur auf ein paar gut ausgearbeitete Folien. Und der Überkritiker in mir, stellt äußerst glücklich fest: Es gibt nur einen Rechtschreibfehler in all den Unterlagen. Ist für mich wirklich wahnsinnig wichtig. Ich finde es nur wertschätzend, wenn sich jemand die Mühe macht, Unterlagen auch entsprechend aufzubereiten. Das also nervt mich nicht an dem älteren der beiden Referenten. Mein Hirn dreht Schleifen, bis ich drauf komme: Er spricht wie Bill Kaulitz. Nun ist mir das ehemals kreischende Kind von Tokio Hotel im Grunde einerlei. Mittlerweile finde ich ihn schon auch unterhaltsam und seine schrille, bunte Art auch voll ok. Nur nervt es mich, dass er die Zähne so schlecht auseinander bekommt. Er redet zwar, kriegt seinen Kiefer aber dennoch nicht so richtig entkrampft. Und genau das macht der Referent auch. Vermutlich wäre mir der Grund bei einer Präsenzveranstaltung verborgen geblieben, weil ich da mehr Sinne zur Verfügung gehabt hätte. Und ja, das ist in der Tat so was von Schisskojenno. Trotzdem finde ich es gut, wenn man analysieren kann, was einen da gerade so ankaast. Ich ertappe mich dabei, wie ich darauf hoffe, dass er gleich singt: „Renne durch den Monsun, hinter die Welt…“ Ich weiß, ich hab´ sie nicht mehr alle. Aber ehrlich jetzt? In meinem Kopp ist immer was los. Da ist selten keine Kirmes geboten. Und von diesem Herrn höre ich dann auch wieder, wie wichtig Humor gerade in der Veränderung sei. Na also, das muss ich zum Glück nicht mehr lernen. Das bringe ich seit frühstem Dasein mit…quasi fest in meiner DNA verwurzelt.
Der andere Referent ist mir irgendwie sympathischer. Das liegt daran, als er gestern zum Einstieg über die Kamera zu sehen war, in mir die Idee kam: „Mööönsch, der sieht ja aus wie mein Jugendfreund – nur in blond.“ Und ganz ehrlich? Es war nur eine kurze Episode in meinem Leben, aber der Junge war echt nett. Daher hat der Referent Pluspunkte. Aber auch die Art, wie er redet, wie er in den Austausch geht, ohne dabei aufgesetzt zu wirken, begeistert mich. Zwischendurch denke ich sogar darüber nach, wenn er mich abwerben würde, ob ich nicht in dieser Beraterfirma arbeiten wollte? Nur wird er mich das nicht fragen…und dann denke ich, das ist ja auch nicht so wirklich das, was ich will. Ich sag´ ja: Dauernd ist Kirmes in meinem Kopf.

Wichtigste Erkenntnis der anderthalb Tage: Ich habe doch eine Menge in meiner Firma gelernt. Da meckere und schimpfe ich ja oft, wie viel Verschwendung wir da in Teilen produzieren und glaube, nur meine private Fortbildung bringe mir neues Wissen…aber nö. Ich darf sogar Input zu einer Methode geben, der die Führungskräfte interessiert lauschen. Dabei verweise ich darauf, dass wir uns gerne vernetzen könnten, wenn sie noch Fragen hätten, was drei der Herren noch während des laufenden Abschnitts in die Tat umsetzen. Da bin ich dann doch ein bisschen stolz. Ist ja eigentlich nicht so meine Stärke, Stolz auf mich selbst zu empfinden. So was wird uns ja schon im Kindesalter abtrainiert. Aber hier kann ich das durchaus sagen: Zwischendurch finde ich heute schon, ich bin eine kompetente Person. Ich stehe also zu Recht auf der Torte und strahle auch einigermaßen hell. Ha. Mal schauen, wie lange dieser Zustand anhält. Solange genieße ich das mal.

Und um in der Kaulitz-Analogie zu bleiben, schaue ich mir heute Abend wieder Heidi und ihre Meeeeeeedchen an. Mal schauen, was sich Bills Schwägerin wieder für Schwachsinn ausgedacht hat. Es wird herrlicher Nonsens als Kontrastprogramm zu meinem Seminar sein. Und ich werde es genießen – so viel steht schon mal fest. Ich brauche eben beides: Blödsinn und Sinn – alles im ausgewogenen Maß.

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