Heute Morgen bin ich unendlich erleichtert. Nein, die Allergiebeschwerden haben sich nicht abgeschwächt. Aber es gibt die besten Nachrichten ever: Nagelsmann kann zu Bayern München wechseln!!! Der Klopper! Und die Ablösesumme – wir reden also nicht von der Bezahlung, die noch hinzukommen wird – beläuft sich auf 25 Millionen. Damit ist es die höchste Trainer-Ablöse der Fußballgeschichte weltweit. Wen von Euch macht das genauso glücklich wie mich? Wird da nicht der ein oder andere auch wuschig?
Wer es bis hierher noch nicht verstanden hat: Das ist IRONIE! Wie kann es in einer Zeit wie dieser zu so was kommen? Ich höre noch die Erklärung vom letzten Jahr, weshalb die Bundesliga wieder laufen müsse. Die armen Putzfrauen und Platzwarte hätten sonst kein Einkommen. Ich weiß nicht, wie man diese bodenlose Scheiße noch unterstützen kann? Wie kann sich noch irgendwer den Rotz anschauen und damit dieses unverschämte, asoziale Verhalten unterstützen? Nur macht sich kaum mehr einer darüber Gedanken. „Es ist halt so“, ist der viel bemühte Satz. Welcher Mensch ist nur rein für die Ablöse 25 Millionen wert? Und ja, ich weiß, dass Fußballer noch mehr kosten. Ist das nicht ein völlig krankes Gebilde? Die kleinen Vereine haben keine Chance. Junge Menschen dürfen nicht auf die Plätze und spielen. Da geht es noch um Begeisterung, um Teamgeist und Sport. Da ist es allerdings nicht wichtig, das zu fördern. Denn damit kann man nicht solche Rekordsummen generieren. Ich finde es beschämend, wenn ich von solchen Summen höre.
Und noch etwas fällt mir zu diesem ganzen Fußballgeschiss ein: Sie rühmen sich doch immer, eine Vorbildfunktion zu haben. Wenn dem so ist, wie kann es dann sein, dass Verträge, die geschlossen wurden, einfach null und nichtig werden können? Sowohl Nagelsmann, als auch Flick stehen noch unter Vertrag. Welches Zeichen wird da gesetzt? Wenn Du genug Kohle auf den Tisch legst, ist alles käuflich. Also dann, junge Leute: Seid rücksichtslos, asozial, verkauft Euer Gewissen, brecht Versprechen – dann werdet Ihr unter Garantie richtig erfolgreich. Ach ja, das gilt vor allem für die männlichen Sportler. Also wenn Ihr keine Männer seid, denkt über eine Geschlechtsangleichung nach. Denn für die Frauen bleibt bitte das Recht bestehen, schön am Herd zu stehen, dankbar und demütig zu sein. Ja, ich weiß, dass ich gerade aggro rüberkomme. Aber so langsam nimmt das Formen an, die ich nicht mehr feierlich finde. Da muss sich auch niemand mehr wundern, wenn mehr und mehr Menschen auf die Straße gehen. Ihr Frust entlädt sich aus meiner Sicht an der falschen Stelle. Doch die völlig irrsinnige (a)soziale Entwicklung, die entsteht, bereitet dafür den perfekten Boden.

Genug geärgert – auch wenn ich so was nie verstehen werde. Muss ich auch nicht, denn sonst drehe ich vielleicht genauso ab, wie diese hohen Herren (und vereinzelt Damen, ich weiß). Interessant wird mein Gespräch am Nachmittag. Ich rede mal wieder mit dem Betriebsrat meines Vertraues. Eigentlich geht es um völlig andere Belange. Doch irgendwann frage ich ihn scherzeshalber: „Samma Schönne, morgen habe ich mein Mitarbeiter-Gespräch mit meinem Chef. Was soll ich den fragen?“ Er zögert keine Sekunde und haut raus: „Frog´ ihn, ob ea Dei Potenzial zua Führungkroft siagt und des anleiern daat.“ Hä? Worüber sollte ich sonst mit ihm reden? Mein Chef könne mir schließlich nichts zu meiner Person erzählen, was ich nicht schon wüsste – vermutlich besser als er. Ich solle nun einfach meinen Hut in den Ring werfen. „Aber….aber….habe ich denn überhaupt Ambitionen?“ „Host Du.“ Ah ja. Ich versuche es noch mal: „Und wenn nicht?“ Aber er beharrt darauf. Meinen Einwand, dass ich dieses Team Grütze finde, schlägt er in den Wind, denn darum ginge es schließlich nicht. Ich muss in den Potenzialtopf geschmissen werden. Dann könne man mich an anderer Stelle platzieren, wenn die Stunde gekommen sei. Hab ich Bock auf all das? Vor allem auf das Gestammel diesbezüglich von meinem Chef? Bei uns wird sich ganz viel in den nächsten Monaten tun. Und dann soll da aufgeräumt werden. Ich muss es wohl oder übel wagen. Nur meine Motivation, das renitente Miststück, glänzt wieder einmal mit ihrer Abwesenheit. Schaden tut´s ja aber auch nicht, also frage ich morgen mal blöde nach, ob mein Chef denn mein Potenzial sehe? Wie ich solche Fragen schon hasse! Das ist der Unterschied zu manch einem jüngeren Menschen. Wie meinte der Spezl so nett: „Du keast jo no zu die Generation, die wo immo benachteiligt woan, wennst a Frau woast. Du bist do oane, gä?“ Doofsack. Die jungen Hühner sind da echt schon anders unterwegs. Für sie ist es selbstverständlich, sich am besten direkt nach der Uni schon nach dem Chefposten umzuschauen – natürlich mit Bachelor-Abschluss, nicht etwa Master. Jessas…hab´ ich einen Bock darauf. Nur so kann es ja tatsächlich auch nicht weitergehen.

Und dazu? Na, scheint die Sonne und zwitschern die Vögel. Immerhin mache ich nach über zehn Stunden auch meinen Rechner aus. Genug für Heinz mitgearbeitet, der ja nun wirklich arm dran ist mit seiner permanenten Überforderung. Übermorgen habe ich wieder die Ehre, mich mit ihm auszutauschen. Da freu´ ich mich aber…ääääh…nicht. Aber ich werde es überstehen, wie immer. In diesem Sinne: Sonnigen Feierabend!

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