Was für ein Tag…den ich wieder einmal genüsslich von meiner Liste streichen kann. Dabei fängt er noch recht ok an. Ich habe mal wieder eine Rücksprache mit meinem wahnsinnig schnellen Kollegen…also ähnlich schnell, wie Rudolf Scharping. Aber immerhin ist er freundlich, zugewandt und will die Dinge auch anpacken. Eben nur laaaaaaangsaaaaaaam. Hinzukommt noch mein Chef. Der ist eben verdammt langsam in der Rübe…ok, und inkompetent. Danach kommen noch weitere Meetings, die aus meiner Sicht auch nicht weiter auffallen würden, wenn sie ausfallen würden. Aber, wie sagen es die vier Pinguine von Madagaskar immer so treffend: „Stur lächeln und winken…lächeln und winken.“ Und so handhabe ich das auch.

Dann kommt der Showdown: Ich habe mein Mitarbeiter-Jahresgespräch. Ich nässe mich fast ein, so aufgeregt bin ich…nicht. Der Ablauf ist bei mir immer gleich, wohingegen er bei anderen durchaus auch anders vorgeht. Ein Fuchs, die dumme Nuss, ein Fuchs. Wie es mir denn beruflich gehe? Ich muss es dann noch ausschmücken. Also sage ich, wie gut ich zurechtkomme, indem ich mich selbst organisiere, alles eigenständig priorisiere, im engen Austausch mit meinen Kunden wäre und so für Zufriedenheit bei allen sorgen würde. Ja, so sehe er das auch. Und wie es denn so um meine Zufriedenheit stehe? „Was soll ich sagen? Es war doch Deine Ansage, dass ein Entwicklungsgespräch nicht geführt werden bräuchte, da es keine Möglichkeiten gebe.“ Ja, nee, sooooo habe er das nicht gesagt. Ich könne mich schon weiterentwickeln und so. Nur mehr Geld gebe es eben nicht. Aha. Mit anderen Worten: Ich übernehme noch mehr Aufgaben, eigne mir noch mehr Wissen an, was ich hübsch in die Firma trage, aber monetär könne dies nicht ausgeglichen werden. „Äääääh…jo.“ Will der mich verarschen oder glaubt der, ich wär´ ein Depp? Nichts gegen Johnny, natürlich.
Und dann frage ich, wie es mir vorgeschlagen wurde: Wer denn aus unserem Team als Potenzialkandidat genannt wurde? Er nennt den Namen einer Kollegin aus dem Nachbarteam. „Das war nicht meine Frage. Meine Frage ist, wer ist der Potenzialträger aus unserem Team?“ „Äääääh, do homma koan.“ Dann frage ich, wie er mein Potenzial diesbezüglich einschätze? Ist ja nicht so, als hätten wir da nicht schon mal drüber gesprochen. Einen oder zwei Monate nach meinem Antritt – wohlgemerkt noch in der Arbeitnehmerüberlassung – hat er mich gefragt, ob ich da Ambitionen hätte? Hatte ich nicht. Mittlerweile bin ich weiter, weiß mehr, habe ich mich etablieren können. Zudem strebt die Firma einen totalen Wandel an, was Führung beträfe – also mehr hin zur eigentlichen Führung mit Sozialkompetenz und Empathie. Darüber hätten wir ja vor Monaten bereits gesprochen. Ah ja. Sei mir das ernst gewesen? Er habe da nämlich nichts zu notiert. Ja, doch. Ja ja.
Also…er sei zwiegespalten. Ich wäre schon radikal: Wenn einer bei mir verschissen hätte, hätte er verschissen. Ich kläre ihn auf, dass ich durchaus differenziere, ob ich dessen Chef wäre oder lediglich eine Kollegin. Und wenn mir einer gegen die Beine pieseln würde, dann würde ich dazu stehen, solche Menschen als Kollegen abzulehnen. Ja, aber ob ich differenzieren könne, wenn ich Vorgesetzte sei? Ich hätte ja die harte Aussage getroffen, dass dieser eine Kollege lügen würde. Richtig. Und genau dafür habe ich auch Beweise. Das wäre ja nicht entscheidend. ALTER?! Wenn einer also mordet und ich sage: „Der ist ein Mörder!“, bin ich dann die Böse, weil die Tat als solche ja nicht weiter wichtig ist? Diese Logik ist einfach nur verquer. Außerdem hätte ich bei Heinz, den ich richtig Scheiße finde, auch gezeigt, wie sehr ich ihn unterstütze, wenn er mal wieder nicht weiterkäme. Ja, das fand er auch ganz prima. Ok. Ich habe besagten Arschloch-Kollegen beim letzten Workshop doch auch wieder miteingebunden, obwohl ich ihn menschlich gesehen total ablehne. Ich sei schon so professionell, zwischen privat und beruflich unterscheiden zu können. Aaaaah. Dann sei er ja beruhigt. Er hätte angenommen, dass ich das nicht trennen würde. Und da haut es mir dann komplett den Schalter raus: „Ist das Dein Ernst? Nach drei Jahren ist das Deine Wahrnehmung von mir? Fehlende Professionalität???“ Neiiiiiin! Das habe er nie gesagt! Im Gegenteil. Nur in diesem Fall sei er doch sehr erschrocken über meine Worte gewesen, aber das hätten wir ja nun geklärt. Ich koche langsam auf 180 Grad. „Ok, dann gib mir doch bitte jetzt mal Deine Rückmeldung zu meiner Arbeit vom letzten Jahresgespräch bis zu diesem Jahresgespräch.“ Und was er vorbringt, ist ausnahmslos nur Lob. Ich fass´ mir an den Kopf. Irgendwie kann ich mich auch nicht für die Rückmeldung bedanken und sage nur: „Aha.“ Jo, ob das jetzt mein Ernst sei und er bei seinem Kollegen und Chef in der Leitungsrunde das Thema Führung ansprechen solle? Ja, soll er. Da lacht er leicht und sagt: „I bin gsponnt, wie die drauf reagiern.“ Spitz frage ich: „Und was willst Du mir mit dieser Aussage sagen?“ Er rudert, wie immer, zurück: „Nix…bloß doss i geponnt bin. Da hot noch nie oana wos zu gesoagt.“ Richtig, weil der eigentliche Chef jemanden in die Diskussionsrunde schmeißt. Mein Chef hingegen kümmert sich um die Mädels vom anderen Team. Früher auf der Toilette, heute „nur“ noch im Gespräch. Und ja, das mit den Nümmerchen auf Toilette ist verbrieft.
Und dann bringt er den Kracher: Ich hatte zu Beginn meiner Arbeit darum gebeten, regelmäßige Rücksprachen mit ihm zu haben, weil ich im Thema nicht so drin war und Infos brauchte. Das ging damals nur so gut wie nie. Jetzt – nach drei Jahren – schlägt er vor: „I hob mia docht, mia zwoa mochn a Regelkommunikation. Des hob i immo gschobn, oba des mochn moa jetz.“ Warum? Der Dilplomat in mir hält seit 44 Jahren schon Winterschlaf, also warum so was jetztz ändern? „Meinetwegen müssen wir das nicht. Ich habe da keinen Bedarf.“ Pause. „Ääääh, wuilst mi olso net sägn oda wos?“ Ich atme ruhig durch: „Mach´ das doch jetzt nicht wieder persönlich. Vor drei Jahren, als ich danach gefragt habe, brauchte ich noch Unterstützung. Heute brauch´ ich die nicht mehr. Ich kann selbständig arbeiten und komme bei Problemen zu Dir. Du sagst doch eh immer, dass Du zu wenig Zeit hast.“ Hätte er auch, aber er wolle mich nicht vernachlässigen. „Nicht nötig. Ich fühle mich schon groß genug.“ Sein Vorschlag zur Güte: Er lade nun im Abstand von drei Wochen ein. Wenn´s nix gäb, könnten wir ja zusammen einen Kaffee trinken. So, wem jetzt noch nicht das Blech weggeflogen ist, dem kann ich nicht mehr helfen. Ich kommentiere das auch nicht, weil ich ja weiß, wie langsam er nur aus dem Pudding kommt. Bis er eine Terminserie eingeladen hat, hat die sagenumwobene Omma ´ne halbe Insel bevölkert.

Was bleibt, ist ein schaler Beigeschmack. Ich komme mir abgewatscht vor. Ungeplant, weil schon länger im Vorfeld so vereinbart, habe ich noch eine Rücksprache mit seinem Kollegen, also dem Chef des Nachbarteams. Er fragt, wie es mir gehe? Ich berichte ihm von meinem Mitarbeiter-Gespräch. Er bedankt sich, weil sie nächste Woche ein Dreier-Treffen anberaumt hätten (wusste ich nichts von). Dann könne er sich vorbereiten, weil mein Chef dieses Thema dann ja vorbringen müsste. Ich erzähle ihm auch die Reaktion, auf die mein Chef gespannt sei, weil er und sein Chef ja auch nie diesbezüglich etwas vorgeschlagen hätten. Zum Glück entkräftet er das vollkommen und spricht mir Mut zu. Gerade jetzt, wo sich die Führungskultur endlich ändern solle, wäre jemand wie ich goldrichtig. Ich solle mir die Worte meines Chefs nicht zu Herzen nehmen, weil sie jeder Grundlage entbehrten.

Ich weiß nicht, ob ich wirklich Führungskraft werden will? Das habe ich ja schon mehrfach – auch hier – thematisiert. Sie suchen vor allem junge Mädels frisch von der Uni aus, die sie als Kandidaten nennen, weil sie so hübsch formbar und dankbar sind. Es geht mir darum, etwas verändern zu wollen, statt immer nur zu schimpfen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Und das kann ich ja nur, wenn ich es zumindest wage, meinen Hut in den Ring zu schmeißen. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Nur diese Altherren-Ränkespielchen-Spezlwirtschaft geht mir auf den Zeiger. Es müssen Änderungen her. Und die beginnen bei mir, oder?

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