Woran merkt man besonders, in Bayern zu leben? An den Volksfestwochen!!! Die Saison ist eingeläutet. Nun bin ich ja bekannterweise nicht gerade die Queen of Bierzelt, aber mit den richtigen Leuten kann es doch ganz nett sein. Und so habe ich dann gestern den Antritt gewagt. Beim Rausgehen treffe ich noch auf meinen Nachbarn, der mich fragt, wie es mir gehe? Ich erzähle ihm, dass ich das erst später beantworten könne, da ich auf dem Weg zum Volksfest sei. Da grinst er und meint: „Und wo ist das Dirndl?!“ Nee, nee, i bin a Saupreiss´, da geht nix mit Dirndl. Allerdings bestätigen mir die Jungs aus dem Nachbarteam später, dass dies „a ausg´machta Schmarrn is“. Solche Aussagen würden nur die alten, blöden Säcke verbreiten. Ihretwegen dürfte ich sehr gerne ein Dirndl tragen. Jo, aber nö. Ich kann mich dazu nicht überwinden. Wobei ich es schon schön finde, wie sie hier an diesen Traditionen festhalten und sogar bei der Arbeit während der Wiesn teilweise Tracht tragen. Da man dann aber nicht „Sollemeserinnlosse?“ rufen darf, lehne ich die Kostümierung für mich ab. Wer weiß, ob sie mich irgendwann doch noch breitschlagen…?

Die Maß Bier hat auf dem Dachauer Volksfest immer den niedrigsten Preis. Das ist vor Uuuuurzeiten mal so festgelegt worden, weshalb den Wirten da auch die Hände gebunden sind. Entsprechend ist das dann natürlich ein gern gesehenes Fest. Ich kann mich allerdings nur schwerlich an diese Humpen gewöhnen und bewundere die Servierkräfte, die da locker mal zehn Krüge auf einmal tragen – in jeder Hand fünf. Ich habe schon beim einarmigen Stemm-Wettbewerb keine Kraft und muss die zweite Hand dazunehmen. Ein Kollege kommt ebenfalls nicht aus Bayern und lästert mit mir: „Die verstehen es einfach nicht, dass der Rotz ja so schnell warm wird. Ich bevorzuge kleine Gläser mit kühlem Bier – und keine lauwarme Plörre.“ Wie richtig er da liegt. Aber streite da mal mit einem Bayern drüber. Und einer der Kollegen trinkt seine erste Maß auch innerhalb von zehn Minuten. Oida, das könnte ich in tausend Jahren nicht schaffen. Dafür erhalte ich dann jedoch nach der dritten Maß seinerseits einige Aufklärungen zur bayrischen Sprache. Beispielsweise, dass es zwar Bayern hieße, was mit y geschrieben würde, aber bairisch eben mit i geschrieben würde. Da ich das blöd finde, schreibe ich es einfach weiterhin mit y. Das liegt wohl an der Liebe irgendeines Königs zu Griechenland, das ja auch mal bayrisch regiert worden ist. Seit dieser Zeit wird Bayern erst mit y geschrieben. Stellt Euch das mit dem entsprechenden Pathos vorgetragen und leicht angesäuselt vor. Ja, so liebe ich die flammende Reden schwingenden Bayern, die neben ihrer Liebe zu Bier eine gewisse Ablehnung von Vokalen vermuten lassen – so oft, wie sie diese beim Reden schlabbern. Da schwingt schon immer viel Stolz mit, wenn sie von ihrer Heimat, ihren Bräuchen und ihrer Sprache reden. Und dann bringt er mir auch die fünffache Verneinung bei:

„Bei uns hod noch nie net koana koa Bier net mög´n.“

Die haben doch echt eine am Helm, oder? Ich find´s köstlich und habe es mir sogar aufsprechen lassen. Es sind meist die kleinen Dinge, mit denen man mir eine Freude machen kann.

Auf dem Nachhauseweg, der – obwohl schon später – immer noch gut frequentiert ist, gehe ich an manch einem Wankenden vorbei. Auf der Zielgeraden steht ein junger Kerl mit üppiger Lockenpracht mitten auf dem Weg und fixiert sein Handy – leicht schwankend. Da ich ihn nicht erschrecken will, hüstel´ ich leicht, was ihn erschrocken herumfahren lässt. Hat also nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Ich hebe die Hände und sage grinsend zu dem echt großen Kerl: „Keine Sorge, ich tu´ nix.“ Er nickt und schickt ein: „Ok, kein Problem“ hinterher. Das bringt mich natürlich zum Lachen. Der müsste einmal hinlangen, dann würde ich nicht mehr stehen, aber gut. 200 Meter weiter ruft er mir dann hinterher: „Tut mir leid! Das kam jetzt irgendwie falsch rüber! Ich tu´ auch nix…echt nicht. Ich kann nur Umarmungen anbieten.“ Mei, des is ja wie Karneval hier. Ich winke ab und gehe lachend weiter. Ein Fahrradfahrer überholt mich in der Dunkelheit, fährt brav 20 Meter weiter und nimmt dann einen Schlenker durchs Grün, wobei ich kurz die Luft anhalte, ob er nicht doch noch an der Mauer zerschellen wird. Aber wie das mit Betrunkenen und kleinen Kindern so ist: Meist haben sie Schutzengel im Gepäck.
Mein Bedarf ist jetzt erstmal wieder gedeckt. Nächsten Monat geht´s eventuell mal auf die Oide Wiesn beim Oktoberfest. Allerdings ist das nicht so meine Wohlfühlzone. Das war es vor Corona schon nicht und ist es jetzt noch weniger. Gestern war auch genug los, aber es hat sich gut verteilt, und wir haben unter freiem Himmel gesessen.

Nur leider, wirklich richtig schlimm leider, leider wurde gestern das Rammstein-Konzert auf der Theresienwiese abgesagt. Man hatte mir in Aussicht gestellt, dass ich da dieses Jahr meinen Geburtstag feiern würde. Jetzt wird nichts draus. Ich weiß, dass die Musik nicht jedermanns Sache ist. Und 145.000 Zuschauer sind nun auch nix für schwache Nerven. Aber gereizt hätte es mich total, weil die Pyrotechnik allein schon ein Hingucker wäre. Tja, alles geht wohl nicht. Immerhin bin ich gestern im Dunkeln Kettenkarrussell gefahren. Hallo? Das war dann schon fast so cool wie Pyrotechnik. 🙂 Aber auch nur fast…

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